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Parkinson-Impfung

Ergebnisse einer weltweiten Pressekonferenz zum Thema „Parkinson-Impfung

Am 31. Juli gab das österreichische Unternehmen Affiris zusammen mit dem Geschäftsführer der Michael J. Fox Foundation in New York eine Pressekonferenz über den Stand der Studie mit der „Parkinson-Impfung“. Die Pressekonferenz konnte über das Internet life verfolgt werden. Aufgrund der Präsentation der Daten in einem Forum, dass offenbar mit der Parkinson-Problematik nicht sehr vertraut war und der damit zusammenhängenden geringen medizinischen Detailtiefe muss die Konferenz in erster Linie für mögliche Kapitalgeber gedacht gewesen sein. Das Unternehmen Affiris hängt vermutlich sehr von Risikokapitalgebern ab. Man muss wissen, dass in anerkannten wissenschaftlichen Journalen bisher meines Wissens nichts  etwas zu der Entwicklung von PD01A (der von Affiris erforschten Impfstoff gegen Alpha-synuclein) veröffentlicht worden ist. Diese Verschwiegenheit zu Details der Entwicklung kann allerdings auch mit Patentinteressen zusammenhängen. Erstaunlich ist es, dass die Forschungen des Unternehmens von der Michael J. Fox Foundation mit 1,12 Millionen Euro unterstützt werden.

Ziele der sogenannten „Parkinson-Impfung“ ist es eine Reduktion der Alpha-synuclein-Ablagerungen im Gehirn von Parkinson-Patienten zu erreichen. Alpha-synuclein ist ein Eiweiß, aus dem durch eine Art Verklumpung die sogenannten Lewy-Körperchen in Nervenzellen des Gehirns entstehen. Das führt unter anderem zu der Degeneration und schließlich zum Absterben der Dopamin-produzierender Zellen im Gehirn. Bisher wird der in der Folge entstehende Dopaminmangel mit der medikamentösen Dopaminersatztherapie behandelt. Theoretisch wäre es denkbar, dass eine Reduktion der Alpha-synuclein-Ablagerungen durch Antikörper gegen dieses Eiweiß die Nervenzellen schützen würde. Mit einer aktiven Impfung gegen Alpha-Synuclein - ist die Vorstellung- ließe sich direkt in den Krankheitsprozess eingreifen und dadurch den Verlauf der Krankheit verlangsamen.  .

In der vorgestellten Phase-I-Studie mit der Impfung mit PD01A sollte es erst einmal um die Verträglichkeit und Prüfung des Konzeptes gehen, d.h. ob man überhaupt eine Ausbildung von spezifischen Antikörpern gegen Alpha-Synuclein durch eine Immunisierung („Impfung“) bilden kann.

PD01A wurde in zwei verschiedenen Dosierungen an zwei Gruppen von zwölf Patienten in verabreicht. Alle diese Patienten wurden 4 Mal in monatlichem Abstand geimpft. Acht weitere Patienten, die medizinisch nach herkömmlichen Richtlinien ebenso bestmöglichst behandelt wurden, stellten eine Vergleichsgruppe dar. Eingeschlossen wurden nur Patienten in frühen Stadien der Krankheit (Hoehn & Yahr I – II) und mit einem mittleren Alter um die 55 Jahre, einer mittleren Symptomdauer von 27 bis 32 Monaten. Der Beobachtungszeitraum betrug 12 Monate. Das Unternehmen betonte die Sicherheit der Impfungen bisher. Abgesehen von unproblematischen Hautreaktionen an den Impfstellen wurde über keine nennenswerten Nebenwirkungen berichtet. Hervorgehoben wurde, dass es nicht zu Hirnhautentzündungen gekommen sei, die vor Jahren bei einer Studie mit einer „Alzheimer-Impfung“ sogar zu Todesfällen geführt hatten.

Was etwas ungewöhnlich im Studienalltag mit neuen nicht zugelassenen Substanzen ist, dass von 32 für die Studie untersuchten Patienten (in der Präsentation als „screened“ bezeichnet) gleich alle in die Studie aufgenommen werden konnten, und alle auch die 12 Monate „am Ball“ blieben, sprich die Studie bis zum Ende mitgemacht haben. Normalerweise hat man sogenannte „Screenfailures“, d.h. Patienten, die die Ein- und Ausschlusskriterien nicht erfüllen. Diese müssten bei einer Studie der Phase 1 besonders streng sein. Meist hat man auch sogenannte „Drop outs“, Patienten, die nicht mehr in der Studie bleiben wollen. Dass nur leichte Hautveränderungen an den Impfstellen als relevante Nebenwirkungen beschrieben werden, ist ebenso schwer nachzuvollziehen, wenn schon bei Parkinson-Patienten bemerkenswerte  verschiedenartigste Nebenwirkungen als unter Scheinpräparaten (Placeboeffekte) in den meisten Studien berichtet wurden.

Nach den Aussagen des Unternehmens habe man bei 15 der 24 der geimpften Patienten Alpha-synuclein-spezifische Antikörper im Blut nachweisen können. Bei 6 von 17 geimpften Patienten, bei denen Nervenwasser zur Untersuchung entnommen wurde, waren Antikörper auch im Nervenwasser nachweisbar. Wenig greifbar wurden die klinischen Effekte dargestellt. Insbesondere blieb die Methodik sehr unklar. Nach einer globalen Einschätzung kam es bei der nicht geimpften Vergleichsgruppe zu einer Verschlechterung der Parkinson-Symptomatik während sich die geimpften Patienten sogar geringfügig besserten. In der Tabelle mit den gängigen Beurteilungsskalen für Parkinson-Symptome und Lebensqualität, die üblicherweise bei Arzneimittelstudien  verwendet werden, finden sich gar keine Daten. Es steht lediglich gebessert („benefit“) in der Spalte der 15 Patienten mit einer Immunantwort auf die Impfung im Vergleich zu den 17 Patienten (9 geimpfte und 8 nicht geimpfte) ohne dieser Immunantwort.

Eine Folgestudie ist in Österreich im Herbst 2014 geplant. Dabei sollen „Auffrischimpfungen“ bei den bisher schon behandelten Patienten durchgeführt werden und die weiteren Reaktionen, insbesondere die Sicherheit, und die Bildung von Antikörpern untersucht werden.

Insgesamt bleibt bei der Studie bisher vieles im Dunkeln. Sie sollte richtig in einem Fachjournal veröffentlicht werden. Bei der Pressekonferenz wurden die wichtigen Daten zur Sicherheit mit wenig Detailtiefe vorgestellt und meines Erachtens etwas vorschnell mit der Mitteilung über eine mögliche positive klinische Wirkung auf den Krankheitsverlauf vermengt. Bei den kleinen Fallzahlen und dem kurzen Beobachtungszeitraum ist es methodisch sehr schwierig, wenn nicht unmöglich, Verlaufsverändernde Wirkungen so schnell nachzuweisen. In diesem Stadium wäre es seriöser sich nur auf den Sicherheitsaspekt zu konzentrieren. Ich denke, dass bis wir nicht Ergebnisse einer multizentrischen Placebo-kontrollierten Studie (d.h. unter Beobachtung von Neurologen in verschiedenen Krankenhäusern und einer Schein-geimpften Kontrollgruppe) vor Augen haben, Skepsis angebracht ist. Hoffnungsvoll sollte uns aber stimmen, dass mit der „Parkinson-Impfung“ anstatt altbekannter Pfade mit traditionellen medikamentösen Ansätzen bisher unbekanntes Neuland in der klinischen Parkinson-Therapie erforscht wird.

Prof. Dr. Ceballos-Baumann

Schön Klinik, München

04. August 2014